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<channel><generator>iloblog 1.0</generator><title>Japan Feed</title><link>http://japan.andre-isst-reis.de/</link><description>Andre isst mal wieder Reis. Er ist jetzt für sechs Monate in Sendai, Japan wo er ein Auslandssemester absolvieren wird. Das Austauschprogramm hat einen Forschungsschwerpunkt mit viel Arbeit im Labor, einen Japanisch Sprachkurs und ein paar weitere Kurse, die frei wählbar sind.&lt;br/&gt;</description><item><title>Fotos: Reisen in Japan</title><link>http://iloapp.andre-isst-reis.de/blog/japan?Home&amp;post=3</link><description><![CDATA[ Hey hey und frohes neues Jahr!!  Ich bin wieder zurück in Sendai und hatte eine geile Reise mit Tina.  Da ich momentan aber irgendwie zu faul bin einen riesigen Bericht zu schreiben habe ich knapp 200 Fotos hochgeladen und mit Bildunterschriften versehen.  Daran kann man eigentlich die Eindrücke ganz gut sehen und die Erklärungen sind fast schon wie ein Bericht :)  Viel Spaß!  
 ]]></description><pubDate>Sat, 15 Jan 2011 23:26:15 +0900</pubDate><category>Travelling</category></item><item><title>Sendai im Winter</title><link>http://iloapp.andre-isst-reis.de/blog/japan?Home&amp;post=2</link><description><![CDATA[  Halli hallo, 
  
 
 hier mal wieder ein kurzes
Update über meine Erfahrungen in Japan. 
  
 
 Mittlerweile ist, nachdem
es Anfang Dezember noch mal 15 Grad (!) waren, der  Winter  eingekehrt.
Es fällt zwar noch kein Schnee, aber das scheint nur noch eine Frage
der Zeit zu sein, denn in Ostjapan ist das Klima generell milder, da
die Berge in der Mitte des Landes die Kälte, die von Russland rüber
kommt, abhalten. In den höher gelegenen Regionen und vor allem in
Westjapan ist das Schneechaos schon in vollem Gange. 
  
 
  Die neuesten News  sind
wohl, dass ich mich entschieden habe ein Jahr statt sechs Monaten
hier zu bleiben und erst im August 2011 wiederkommen werde. Der Grund
ist vor allem, dass ich wirklich gerne gut japanisch lernen möchte
und sechs Monate dafür einfach nicht ausreichen (vor allem weil man
noch die ganzen Schriftzeichen mitlernen muss und die Sprache einfach
völlig unterschiedlich von allem was ich bisher gelernt habe ist). 
 Außerdem macht mir die
Arbeit in meinem Labor super Spaß und es tut gut endlich mal etwas
zu lernen was nicht einfach nur den Fachidioten als Ziel hat, sondern
einen breiten Horizont. Ich weiß gar nicht, wie ich jemals wieder an
die TUHH zurückkehren soll. 
 Auf jeden Fall hat die
Verlängerung viel leichter geklappt als gedacht und ich habe die
benötigten Zusagen schon erhalten, kann im besten Fall sogar mein
Stipendium verlängern! 
  
 
  Ein kurzer Einschub über
japanisches Schönheitsempfinden , aus männlicher Sicht. Die Frauen
hier sind leider etwas zu schüchtern und die Geschlechter meist zu
getrennt um Infos aus ihnen herauszubekommen. 
 Fast alle Frauen hier
haben extrem schiefe Zähne, so dass ein schönes Gesicht durch das
Lächeln gleich wieder zerstört wird. Der Grund ist, dass die
Kieferorthopäden-Behandlung ca. 10000 EUR kostet. Die Männer hier
scheint das nicht so wirklich zu stören (ihre Zähne sind ja auch
meist schief) und sie stehen auf Frauen mit nach vorne stehenden
Eckzähnen. Das wird hier als süß betrachtet. Außerdem trainieren
viele Frauen in der Pubertät mit nach innen gedrehten Füßen zu
laufen (also das Gegenteil von Charlie Chaplin). Für mich sieht das
einfach nur ekelhaft unnatürlich und vor allem mega ungesund aus,
aber die Japaner finden das anscheinend süß... 
 Generell ist es für
Frauen unglaublich wichtig süß auszusehen. Deshalb wird extrem viel
Plüsch, Rosa und sonstiger Schnick-Schnack gekauft und getragen. 
 Japanische Männer
scheinen das Ebenbild eines Machos zu sein. Wenn Freunde von mir für
die Japanerinnen, die ihnen gefallen (vor der Beziehung!) ein
Geschenk gekauft haben (ohne Grund (Geburtstag etc.) oder z.B. etwas
gekocht haben, hat das die Mädels extrem in Verlegenheit gebracht.
Japaner würden so etwas nie tun! Eine Freundin (aus Deutschland)
ist mit ihren Lab Mates (alle männlich) an einen wunderbar
romantischen Ort gefahren. Auf die Frage hin ob die Jungs denn ihre
Freundinnen mal mit dort hin nehmen würden (weil der Ort doch
perfekt für Pärchen ist), antworteten die nur verdutzt: Wieso denn?
Ich fahre doch mit meinen Lab Mates hier hin. Solche Ideen würden
ihnen nie in den Sinn kommen. 
 Dennoch sind japanische
Frauen wohl nicht viel besser, denn wie ich gehört habe, sind sie
extrem schwer zu umgarnen und wenn man es dann doch einmal schafft in
der Beziehung extrem fordernd. 
 Hat vor der Hochzeit noch
der Mann die Restaurantrechnungen zu bezahlen ist nach der Hochzeit 
die Frau normalerweise die Verwalterin des Geldes und gibt ihrem Mann
ein Taschengeld. 
  
 
 Ich habe auch endlich  mein
erstes Erdbeben  hier erlebt. Es war zwar nur ein leichtes und
ziemlich weit weg, aber immerhin. Es ist schon ein komisches Gefühl
wenn die Erde unter einem wackelt. Für die JapanerInnen ist es
völlig normal, so dass es nicht mehr als ein müdes „Ah, ein
Erdbeben“ hervorruft. (Anscheinend habe ich, seit ich hier bin auch
schon mindestens 5 Erdbeben verpasst). 
  
 
  Meine Geburtstagsparty 
letzten Samstag war auch wirklich lustig, nach etwas warmtrinken sind
mir mit ca. 30 Leuten in die Disse und haben auf schlechte Musik
getanzt. Immerhin bin ich aber umsonst reingekommen und habe mir bei
der Barkeeperin ein Geburtstagsbier erflirtet ;) 
  
 
 Ich habe mittlerweile auch
herausgefunden, wie hier  Weihnachten  gefeiert wird. Abgesehen davon,
dass die Dekoration in der Shopping-Meile extremer ist als in
Deutschland und überall Weihnachtslieder erklingen gibt es hier
natürlich keine Tradition oder Kultur dahinter. 
 Deshalb ist Weihnachten
eine Art zweiter Valentinstag. Alle verbringen den Tag mit ihrem
Partner und wer Single ist geht auf eine riesige Weihnachtsparty. Die
ist dann dementsprechend eher eine riesige Single-Party. 
  Neujahr  ist dann der
wichtigste Tag im Jahr und wir traditionell in der Familie gefeiert.
Man geht zusammen in den Tempel und betet für Glück im neuen Jahr.
Dann isst man zusammen Mochi (eine Art glibberiger, süßer
Reiskuchen). Tina und ich wurden von meinem Lab Mate zu seiner
Familie nach Hause eingeladen. Das Dorf zählt als einer der drei
schönsten Landschaften Japans, ist aber im Winter wohl eher von
Touristen verlassen. Also wird unser Neujahr wohl sehr traditionell
japanisch sein (Eine Mega-Chance etwas von Land und Leuten zu
erfahren!) 
 Der Ort heißt
Amanohashidate, hier mal die Seite bei Wikipedia:
 http://de.wikipedia.org/wiki/Amanohashidate  
  
 
 Wo ich schon bei den drei
schönsten Landschaften Japans bin, wir waren vor ein paar Wochen
auch am Zweiten, Matsushima: 
 http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_sch%C3%B6nste_Landschaften_Japans  
  
 
  Neue Fotos  habe ich
hochgeladen. 
  
 
  Ansonsten  geht es mir hier
super, ich lebe wieder zu 99% vegan (bis auf einige Unfälle, kann
mittlerweile die Zutatenliste fast komplett lesen). Ich vermisse
Schokolade, denn sogar die 90% Kakaoschoki ist mit Milch und die
Importschoki (Lindt etc.) kostet mal locker 4 EUR pro Tafel.
Gummibärchen vom Bärentreff oder Haribo Pasta Frutta fehlen mir
auch :) Generell sind Süßigkeiten wohl das Hauptproblem, aber
immerhin habe ich jetzt rausgefunden, wie ich in der Mikrowelle
backen kann, somit gibt’s immerhin Kuchen ohne Ende. 
 
  
 
 Noch ein ganz witziger
Link zum Schluss:  Japanisch sprechen ohne ein Wort zu sagen  (und das
stimmt wirklich! Zumindest Part 1-3): 
  http://www.youtube.com/watch?v=XuFe5lqBAYE&amp;feature=channel  
  
 
  
 
 Also dann schon mal frohe
Weihnachten und ne schöne Ferienzeit euch allen, ich werde von
meinen Reisen mit Tina spätestens im Januar berichten. Es geht
vermutlich nach Tokyo, Osaka, Kyoto, Hiroshima und eventuell Kyushu. 
    Alles Gute und bis bald,    アンドレ  
 ]]></description><pubDate>Thu, 09 Dec 2010 17:18:14 +0900</pubDate><category>Life in Sendai</category></item><item><title>Japan und ich, Teil 2</title><link>http://iloapp.andre-isst-reis.de/blog/japan?Home&amp;post=1</link><description><![CDATA[  Hallo und liebe Grüße
nach Deutschland, 
  
 
 hier ist mittlerweile auch
der Herbst eingekehrt und es wurde innerhalb weniger Tage abrupt
kälter. 
 Dennoch ist es jetzt
wieder sonnig und eigentlich jeden Tag blauer Himmel. Der
Jahreszeitenwechsel wurde von einigen Tagen Dauerregen begleitet und
ich dachte schon, dass das gar nicht mehr aufhört. Mein Professor
sagt allerdings, dass es hier von November bis Januar meist trocken
und sonnig ist! Gute Aussichten. 
  
 
 Das Leben in Japan wird
langsam immer normaler für mich und die Sprachbarriere baut sich
seeeehr langsam ab. Ich kann mich immerhin in Läden und Restaurants
schon verständlich machen. "Keine Plastiktüte bitte"  
Man bekommt hier nämlich immer und egal was und wie viel man kauft
eine Plastiktüte, die zwar angeblich recycelt wird, aber
Müllvermeidung an sich ist hier kein Thema. Wenn man ein Onigiri
(Reisbällchen) im Convenience Store kauft ist es in Plastik
eingewickelt und das Noriblatt außenrum ist noch mal extra verpackt,
damit es nicht feucht wird und schön knackig bleibt. Zu jedem Essen
das man kauft erhält man gratis Einweg-Stäbchen und meist ein
Feuchttuch um die Hände vor dem Essen abzuwischen. Das ist auch in
Restaurants normal, dass man vor dem Essen immer ein Feuchttuch
gereicht bekommt. 
  
 
 Eine sehr interessante
Spezialität in Japan ist Natto, das sind fermentierte Sojabohnen,
die viele Japaner jeden Morgen zum Frühstück essen, weil sie auf
die gesundheitliche Wirkung schwören. Sie sind etwas
gewöhnungsbedürftig, weil sie etwas wie verrottete Sojabohnen
schmecken, aber ich finde sie sehr lecker   Das lustige an ihnen
ist, dass sie lange spinnennetzartige Fäden ziehen die, wenn man es
nicht richtig macht einfach überall zwischen Mund und Schale sind.
( http://de.wikipedia.org/wiki/Natto ) 
  
 
 Mein Forschungstraining
ist sehr interessant und entwickelt sich eher in eine
soziologisch-psychologische Richtung mit viel Wirtschafts- und etwas
Kapitalismuskritik. Der Professor (Elektrotechniker) hat vor 10
Jahren begonnen das Projekt vom technischen Standpunkt aufzuziehen
und dabei vor allem Bezug auf die Geothermie zu nehmen. Da die
politischen und sozialen Hintergründe aber nicht gegeben waren ist
er damit ziemlich schnell gescheitert und auf taube Ohren gestoßen.
Also hat er begonnen das Projekt selbst zu organisieren und hat dazu
zwei Dörfer gefunden mit denen er die „Forschung“ vor Ort macht.
Dabei hat er ziemlich viel über die Unterschiede zwischen dem
traditionellen Landleben mit Selbstversorgung und familiär-dörflichem
Zusammenleben und dem entfremdeten Stadtleben gelernt. Die Dörfer in
Japan scheinen noch sehr traditionell und rückständig zu sein,
nicht so „modern“ wie in Deutschland. Dafür sind die Städte
riesige Ballungszentren und die Landflucht bei jungen Leuten ist noch
viel ausgeprägter als z.B. in Ostdeutschland. Der Kritikpunkt liegt
unter anderem genau darin. Durch die Bewegung hin zu Städten und das
entfremdete Leben in diesen, wo man sein Essen als Fast Food im
Supermarkt und bei Mc Donalds kauft wissen die meisten Leute nicht
einmal mehr wie das Essen hergestellt wird und was sie überhaupt
essen. Das selbe Phänomen tritt bei der Energieversorgung auf.
Energie kommt aus der Steckdose, denkt man zumindest in den Städten
bzw. solange man sie nicht selbst erzeugt. 
 Er sieht das Problem dabei
in dem großen Einfluss des Marktes. Die Firmen/Energieversorger
stehen zwischen dem kaufbaren Produkt und dem Erzeuger. Dadurch wird
eine Lücke generiert, die für pure Wertschöpfung seitens der
Unternehmen genutzt wird, den Verbraucher aber vom Erzeugungsprozess
abkapselt und entfremdet. 
 Das Ziel der Forschung
liegt jetzt darin, wie man dem entgegen wirken kann. 
 Das ist nur mal ein grober
Abriss über das was ich so mache... Ich würde unglaublich gerne
meine Bachelorarbeit über dieses Thema schreiben, weil es wirklich
genau meine Meinung und Einstellung trifft, aber ich glaube an der TU
in Hamburg wird die Verknüpfung zwischen dem technischen Kram und
dem unglaublich WICHTIGEN ethischen/sozialen Thema einfach nicht
gesehen (Fachidioten!!) 
 Ein Beispiel auf dem auch
das Konzept meines Profs aufbaut ist Slowfood, entwickelt in Italien: 
  http://de.wikipedia.org/wiki/Slowfood  
  
 
 Letzte Woche Freitag habe
ich mir nach einigen Drinks einen Muskelfaserriss im Knie zugezogen.
Ist aber halb so wild und nach zwei Wochen auf Krücken kann ich
wieder gehen. 
 Dazu eine kleine
Geschichte über das wohl schlechteste Gesundheitssystem der Welt: 
 Am Montag war ich beim
Arzt, der meinte, falls mein Knie wieder anschwellen sollte, solle
ich ins Krankenhaus fahren. Am Donnerstag habe ich dann genau das
gemacht. 
 Im Uni-Krankenhaus
angekommen hat man mich bei der Registrierung erst mal gefragt ob ich
denn einen Empfehlungsbrief des anderen Arztes habe. Wenn nicht müsse
ich nämlich 3150 Yen (knapp 30 EUR) für die Erstbehandlung zahlen.
Ich sagte, dass ich keinen habe und das Geld auf jeden Fall bezahle,
weil ich ja behandelt werden möchte. Man bat uns also zu warten. 
 Nach zehn Minuten wurde
ich dann aufgerufen und mir wurde gesagt, dass ich nicht in dem
Krankenhaus aufgenommen werden könne, solange ich diesen Brief nicht
hätte. Auch nicht, wenn ich das Geld zahle! 
 Ich habe nicht genau
verstanden warum, aber ich denke die Leute in dem Krankenhaus wollten
der anderen Klinik nicht den Kunden wegnehmen. 
 So etwas habe ich noch NIE
vorher gehört, in Deutschland wäre es schlichtweg illegal jemanden
im Krankenhaus nicht zu behandeln!!!!! Und den hippokratischen Eid
schwören die japanischen Ärzte mit Sicherheit auch! (Aber darauf
wird ja in Deutschland auch nicht mehr wirklich Wert gelegt...) 
 Naja, danach sind wir dann
also zu der anderen Klinik gefahren. Ich hatte das Glück, dass außer
meinem ecuadorianischen Mitbewohner, den ich mitgenommen hatte weil
er Japanisch spricht, auch noch sein Tutor mit Auto dabei war. 
 Die Ärzte hier sprechen
so gut wie kein Englisch, dementsprechend ist man ziemlich
aufgeschmissen wenn man keinen Japaner dabei hat. 
 Vor der anderen Klinik
angekommen, haben wir dann gesehen, dass sie donnerstags geschlossen
ist. 
 Also hat der Tutor seinen
Arzt angerufen und wir konnten dann dahin fahren, obwohl der Arzt
schon Mittagspause hatte. 
 Dabei habe ich erfahren,
dass es in Japan zwei Arten von Chirurgen gibt, die mit Doktorlizenz
und die anderen ohne. 
 Dieser Arzt hatte keine
Doktorlizenz, war jedoch der erste, der mir wirklich sagen konnte was
los ist und ich habe auch noch einen Sonderpreis bekommen, weil er
der langjährige Judo-Lehrer des Tutors ist. 
  
 
 Soweit erst mal die
Neuigkeiten von mir, ich hoffe die meisten von euch sind in Gorleben
um gegen die beschissene Politik dieser Bundesregierung und den
Castor zu demonstrieren und lesen diese Nachricht irgendwann nächste
Woche! Auf jeden Fall drücke ich die Daumen, dass großes Medienecho
generiert wird und die Menschen in diesem Land langsam endlich
aufwachen und die beiden Parteien in den kommenden Wahlen böse
abstrafen! 
  
 
 Bis bald   
 André 
  
 
 PS: Ich habe auch ein paar
Fotos hochgeladen, wobei ich noch nicht so viel Zeit zum Foto
schießen hatte, kommt aber noch :) Man beachte die
Bildunterschriften, die noch ein paar Extra-Erklärungen liefern. 
 ]]></description><pubDate>Sun, 07 Nov 2010 16:14:53 +0900</pubDate><category>Life in Sendai</category></item><item><title>Erste Eindrücke</title><link>http://iloapp.andre-isst-reis.de/blog/japan?Home&amp;post=0</link><description><![CDATA[ Hallo lieber (vielleicht) interessierter Mensch,
 
 in einer Rundmail möchte ich dich über mein Leben und meine Erfahrungen 
in Japan auf dem Laufenden halten. Ich werde wahrscheinlich nicht sehr 
oft schreiben und vielleicht auch einige Zeit zum Antworten brauchen, 
aber so ist das als ehrgeiziger Student    Außerdem richte ich für weitere Rundmails einen Blog unter www.andre-isst-reis.de ein um euch nicht mit Mails zu bombardieren. Das 
kann aber noch ein paar Wochen dauern.
  Für alle die es noch nicht wissen: Ich bin seit dem 28. September in 
Sendai, einer Stadt im Norden der Hauptinsel Honshu und mache hier ein 
Auslandssemester in einem forschungsorientierten Austauschprogramm.
  Diese erste Mail ist sehr sehr lang geworden, weil ich versuche die 
meisten Eindrücke hier drin zu verarbeiten und ich immer noch einer Art 
Reizüberflutung von so viel neuen Dingen ausgesetzt bin und in meiner 
Zeit hier schon extrem viel passiert ist. Außerdem sind mittlerweile 
auch schon über zwei Wochen vergangen und ich habe vier Anläufe 
gebraucht die Mail zuende zu bringen
 
 Wenn du mich kontaktieren möchtest, kannst du das (allerneueste 
"In-Crowd"-Technik (!), doch dazu später mehr...) super per Email, die 
direkt kostenlos an mein Handy gesendet wird, tun: andre.katzenberger[aaaat]softbank.ne.jp  Meine Postadresse um mich auf die gute alte Snail-Mail Art zu 
kontaktieren ist:
 
 KATZENBERGER, Andre
 University House Sanjo, N-334
 19-1, Sanjo Machi, Aoba-Ku
 Sendai 981-0935
 JAPAN
 
 Zunächst einmal habe ich in der letzten Woche schon verdammt viel erlebt 
und ich muss sagen, dass Japan wohl das verrückteste Land der Welt ist 
(auf eine andere Art und Weise toppt es sogar Indien, und das um Längen).
 
 Ich werde bald irgendwann einen Fotoblog erstellen, auf dem ich dann 
Fotos und Videos (jawoll, habe meine Videokamera dabei) veröffentliche. 
((Nein, ich möchte das nicht über Facebook machen, warum ist den meisten 
wahrscheinlich klar...))
 
 Also jetzt genug Gelaber, los gehts:
    Ankunft und Tokyo
  
 Nach einem unspektakulären und problemlosen Flug von ca. 20 Stunden 
(inkl. 3 Stunden Aufenthalt im Abu Dhabi-Flughafen-Terminal) bin ich in 
Narita, Nihon gelandet. Nihon ist der japanische Name für Japan und 
bedeutet so etwas wie „Quell der Sonne“.
  Narita ist etwa 60 km nordöstlich von Tokyo, wobei man Tokyo nicht als 
Stadt betrachtet, sondern sich die Städte, die zusammen Tokyo bilden, um 
Bahnhöfe herum aufbauen. Zusammen hat die Tokyo-Agglomeration geschätzte 
36 Mio. Einwohner und gilt als die größte Stadt der Welt.
 Nach langem Warten musste ich bei der Einwanderung beide 
Zeigefingerabdrücke abgeben und in eine lustige Kamera schauen, die mich 
fotografiert hat.
 Danach ging es mit dem Zug in einer ca. 80 Minuten-Fahrt nach Asakusa, 
wo das Hostel ist. Zugfahren ist wirklich einfach, da alle Haltestellen 
und vor allem Wegweiser in Tokyo auch in Romaji (das ist die lateinische 
Umschrift der japanischen Zeichen) ausgeschildert und man so gut 
geleitet wird, dass man gar nicht falsch laufen kann.
 Das erste, dass einem in Japan ins Auge fällt sind wahrscheinlich die 
blinkenden Leuchttafeln und Schilder und von wirren Zeichen übersähte, 
bunte Plakate überall. Dazu piept und dudelt es ununterbrochen.
 Von Tokyo selbst habe ich nicht so viel gesehen, wir waren abends nur 
mit einigen Leuten aus dem Hostel in einer Art kleinem Restaurant, in 
dem man für 100 Yen (etwas weniger als 1 EUR) verschiedene Gerichte 
bestellen konnte. Für die Fleischesser gab es unter anderem: 
Schweinekopf, Rinderzunge, diverse verrückte Meeresfrüchte, Leber und 
andere Innereien und für mich als Veganer diverses Gemüse u.a. 
Sojabohnensprossen, Gurke, gegrillte Aubergine und Lauch, dazu diverse 
Algenarten.
 Meine erste Übungsstunde war auf die richtige Art und Weise mit Stäbchen 
(hashi) zu essen. Am Anfang hat mir noch ganz schön die Hand weh getan, 
doch mittlerweile bin ich schon echt gut geworden!
 Danach sind wir zu einer japanischen Spezialität dem sogenannten 
Nomihodai/Tabehodai gegangen, was bedeutet, dass man für einen 
Festbetrag zwischen 20 und 25 EUR für einen bestimmten Zeitraum, meist 2 
Stunden, soviel trinken und essen kann, wie man will. Dort habe ich dann 
auch das erste Mal Sake (wird warm und kalt getrunken) und japanisches 
Bier probiert. Das Bier kann zwar nicht mit dem Deutschen mithalten ist 
aber doch besser als ich dachte.
 Sake ist eigentlich der allgemeine Begriff für Alkohol, der typische 
japanische Reisschnaps, den wir Sake nennen heißt hier Nihonshu.
 Geschlafen habe ich dann in einem viereckigen Kasten mit Schiebetür, 
vielleicht vergleichbar mit den Röhren, die hier als günstige 
Übernachtungsmöglichkeit angeboten werden. Das ganze war aber 
komfortabler als ich dachte!
 
 
  Sendai, Einzug ins Wohnheim und Bürokratiehölle
  
 Am nächsten Tag ging es mit dem Shinkansen, dem japanischen ICE nach 
Sendai. Der Shinkansen ist die Luxus-Version des ICE, weil er nicht nur 
um einiges schneller ist, sondern vor allem die zweite Klasse besser 
ist, als die erste im deutschen ICE   So habe ich dann die fast 400 km 
in unter zwei Stunden zurückgelegt.
 In Sendai wurden wir am Bahnhof von einer Freiwilligengruppe abgeholt 
und ins Wohnheim gebracht.
 Man muss sagen, dass die Japaner unheimlich freundlich, höflich und 
extrem hilfsbereit sind, man wird z.B. wenn man irgendwo hin möchte ohne 
Murren dort hin gebracht und es ist selbstverständlich, dass Leute einem 
bei der Kommunikation helfen, wenn man die Sprache nicht kann (z.B. beim 
Handy-Vertrag abschließen). Da könnten sich die Europäer, vor allem die 
Deutschen eine dicke Scheibe abschneiden.
 Im Wohnheim mussten wir erst einmal mindestens 4 Formulare ausfüllen. 
Die Japaner sind um einiges bürokratischer als die Deutschen. Ich habe 
bisher bestimmt 15 Formulare ausgefüllt und unterschrieben und wusste 
bei mindestens der Hälfte nicht einmal was das genau ist, da ich es 
nicht lesen konnte. Außerdem muss man alle Formulare aufheben, weil man 
sie bei späteren Gelegenheiten wieder vorzeigen muss.
 So habe ich bisher schon Formulare für die Alien Registration (so wird 
die Ausländerregistrierung hier genannt), die Bank, mein Handy, meine 
Kursauswahl in der Uni, meine Student ID-Karte, meinen Sprachkurs, das 
Wohnheim, diverse ausgeliehene Dinge usw. usw. unterschrieben.
 Im Wohnheim wurde mir zunächst ein 30-minütiger Film über alle Regeln 
und die Ausstattung desselben gezeigt, wobei alles bis ins genauste 
Detail beschrieben wurde!
 Danach wurde ich von einem meiner Mitbewohner, der leider kein Englisch 
konnte, abgeholt und zum Zimmer geführt. Das Zimmer ist wie ein 
deutsches Standard Wohnheimzimmer, mit Bett (ohne Matratze, sondern mit 
dünnem Futon), Schreibtisch und Schrank. Dazu gibt es ein Western Style 
Klo (welche es, trotz des Namens nur in Japan gibt), eine Dusche und ein 
Waschbecken für mich alleine auf meinem Zimmer.
 Das Klo sieht zwar auf den ersten Blick aus, wie ein normales Deutsches, 
hat aber an der Seite ein Bedienungspanel mit folgenden Funktionen: 
Sitzheizung, Arschdusche und Arschföhn, Bidé-Funktion, sowie Einstellung 
der Wassertemperatur und Parfüm (gegen den Geruch). Leider ist es nicht 
selbstreinigend   Ich teile mir den Gemeinschaftsbereich mit 7 anderen Personen, 5 
Japanern (von denen leider nur 3 etwas Englisch sprechen), einem 
Ecuadorianer (so dass ich endlich mal wieder Spanisch sprechen kann) und 
einem Italiener.
 
 
 
 Japanisches Essen
  

 
In der Küche gibt es die perfekte Ausstattung für japanisches Kochen: 
Eine Mikrowelle (extrem wichtig, denn die meisten Japaner kaufen 
allerlei Fertig-Schrott, den man nur darin aufwärmt und isst), 
Reiskocher, Kaffeemaschine und einen Herd (ohne Ofen).
 
Das japanische Essen besteht in der Regel aus verschiedenen kleinen 
Gerichten von denen man jeweils nur ein bisschen isst. Oft gibt es Reis, 
Ramen (das sind Nudeln in einer Art Suppe), diverses Gemüse (oft Algen, 
Aubergine, Salat oder Sojasprossen), Tofu (einfach nur ein Klotz mit 
etwas Gemüse oben drauf), diverse Fleisch- und Fischsorten. Dazu wird 
immer eine Fisch-Algen-Suppe, genannt Miso, serviert (gibt’s auch ohne 
Fisch).
 
Das Einkaufen und Auswärts Essen gestaltet sich ziemlich schwierig, da 
ich einfach nicht lesen kann, was ich kaufe und in so ziemlich allem 
Fisch, Fleisch, Fischbrühe, Milch oder mindestens Ei enthalten ist... So 
habe ich zum Beispiel beim gemeinsamen Mittagessen in der Uni, obwohl 
ich in der vegetarischen Ecke saß, Jellyfish (rohe Qualle) gegessen, was 
in Japan wohl eher als Gemüse zählt, als als Tier.
 
Den Kompromiss, soviel wie möglich zu vermeiden, wohl wissend, dass ich 
nicht alles verhindern kann, habe ich mit mir selbst schon am ersten 
Abend gemacht und es klappt auf jeden Fall ganz gut zumindest Fleisch 
und in den meisten Fällen Fisch(-brühe) zu vermeiden.
 
Denn auch wenn die Japaner sehr leckeres Gemüse zubereiten und es eine 
reichhaltige Auswahl gibt, so wird doch an das meiste zumindest 
Fischsauce oder -brühe gemacht.
 
Nach zwei Wochen kann ich mittlerweile ganz gut unterscheiden und 
fragen, was von dem Essen vegan ist, bzw. das ich nur Gemüse esse. Das 
stößt zwar immer wieder auf Verwunderung, da die Japaner aber darum 
bemüht sind das Gesicht ihres Gegenüber um jeden Preis zu wahren 
erfüllen sie einem die Wünsche ohne zu murren!
 
Viele Dinge, die man im Supermarkt kaufen kann, sind schon fertig 
zubereitet. So gibt es gewürzten Reis, fertige Nudeln mit Soße, Salate, 
Burger usw. usw. In jedem Convenience Store gibt es eine Mikrowelle in 
die man die gekaufte Mahlzeit einfach mit Plastikverpackung einlegt und 
aufwärmt. Ich habe mittlerweile echt gute vegane Onigiri (das sind 
dreieckige oder runde Reisklopse, die mit Algen, Gemüse etc. gefüllt 
sind und oftmals mit einem Noriblatt umwickelt werden) gefunden, bei 
denen das Noriblatt extra verpackt wird, damit es nach dem 
„Zusammenbauen“ noch knackig und frisch ist.
 

 

 

 Uni – Einführung, Orientierung und Kursauswahl
  


 

Am letzten Freitag fand dann die Einführungsveranstaltung für die neuen 
Austausch-Studenten statt, die damit begann, dass wir erst einmal 
begrüßt wurden und uns jeweils zwei Ordner gefüllt mit Zetteln und 
Dokumenten übergeben wurden. Der Professor hat dann damit begonnen, 
einfach alles in diesen Mappen vorzulesen (das scheint hier normal zu 
sein, dass alles, was man auch selbst lesen könnte, erst einmal 
vorgelesen wird). Leider war seine englische Aussprache so schlecht, 
dass man sowieso selbst lesen musste um irgendetwas zu verstehen. Nach 
diesem organisierten ersten Eindruck wurde es dann total chaotisch. Der 
Professor bat uns ein Formular auszufüllen, nach zwei Minuten jedoch, 
hielt er ein anderes Formular hoch, welches wir dann doch bitte 
ausfüllen sollten. Das ganze ging dann so lange weiter, bis ich ungefähr 
7 Formulare und Beschreibungen, plus jeweils ein Ausfüll-Beispiel (eine 
weitere Spezialität, aber sehr nützlich) vor mir liegen hatte und der 
Tisch völlig übersät war. Dazwischen riefen andere Mitarbeiter immer 
Namen auf um uns zu beten unsere Versicherungsbeiträge zu bezahlen 
(wobei Katzenberger für einen Japaner echt nicht leicht auszusprechen, 
geschweige denn dann noch zu verstehen ist! Mittlerweile hat mir meine 
Japanisch-Lehrerin einen japanischen Namen verpasst, der die exakte 
Übersetzung von Katzenberger ist: Nekoyama (neko bedeutet Katze, yama 
Berg), also bin ich seitdem nur noch Nekoyama-san).
 

Nachdem wir unsere Formular-Checkliste (eine weitere Besonderheit 
Japans, die aber bei der Zettelhölle echt hilfreich ist) dann endlich 
abgearbeitet hatten wurden wir durch die verschiedenen Campi geführt und 
uns jeweils einige wahllos wirkende Orte gezeigt. Da das ganze per Bus 
geschah konnte man sich natürlich später an keinen Ort erinnern.
 

Dafür gibt es aber Karten, auf denen die Gebäude mit Zahlen und 
Beschreibungen versehen sind. Leider nützt einem das beim Auffinden 
eines Ortes nichts, denn die Gebäude in den Kursbeschreibungen sind mit 
Buchstaben gekennzeichnet. Beispiel: Mein Japanisch Kurs findet in 
Gebäude A-205 statt. Auf der Karte gibt es aber nur die Orte 1 bis 36, 
jedoch kein Gebäude A.
 


 

Ich habe mich in der Kursauswahl jetzt dafür entschieden keine 
Ingenieur-Fächer zu belegen, denn es ist eine Sache in Deutschland bei 
einem langweiligen Thema einfach gehen zu können und in Japan bei 
Anwesenheitspflicht bleiben zu müssen. Dafür konzentriere ich mich jetzt 
auf die japanische Sprache und Kultur. In dem Kurs „Japanese Culture A“ 
werden wir diverse Ausflüge in die Region unternehmen und japanische 
Texte lesen.
 

Im Kurs „Japanese Culture C“ werde ich Aikido lernen. Aikido ist eine 
japanische Kampfsportart, die jedoch keine offensiven Angriffe kennt, 
sondern nur zur Abwehr von gegnerischen Angriffen konzipiert wurde. Ziel 
ist es im Einklang mit der Natur und der Physik seinen Geist und Körper 
zu trainieren um die gegnerische Kraft gegen den Angreifer zu nutzen um 
ihn mit dieser Demonstration zu „überzeugen“ vom Angriff abzusehen.
 

Mittlerweile hatte ich auch schon meine erste Unterrichtsstunde und ich 
war überrascht, dass man einen zwei-Meter-Mann wirklich ohne Probleme zu 
Boden werfen kann ohne das es dem „Opfer“ irgendwie weh tut. Man macht 
ihn einfach nur bewegungsunfähig. Des weiteren werde ich im „Individual 
Research Training“, dem Kern des Austausch-Programms, in einem Projekt 
namens EIMY (Electricity in my Yard) mitarbeiten, welches sich mit 
Insellösungen für kleine Dörfer zur Energieerzeugung beschäftigt.
 

In meinem Labor wird an zwei Themen geforscht. Das eine ist EIMY, das 
andere Seismologie. Die Universität ist im Gegensatz zu der TU Harburg 
sehr forschungsorientiert und die Master-Studenten und Doktoranden, aber 
auch die Bachelorstudenten verbringen fast jeden Tag im Labor und auf 
Exkursionen/Experimenten/Messungen. Mein Themengebiet ist momentan erst 
einmal Umwelt-Archäologie, die versucht, Einflüsse des Menschen auf die 
Natur und deren Auswirkungen auf die jeweiligen Zivilisationen zu 
ermitteln. Dabei wird besonderes Augenmerk auf Religion, Gesellschaft 
und Legenden der jeweiligen Kulturen gelegt und miteinander verglichen. 
Zwei Mal die Woche werde ich über die Entwicklung des EIMY-Projektes 
(welches mittlerweile schon über 9 Jahre alt ist) unterrichtet und wir 
diskutieren über die Unterschiede zwischen der westlichen Welt und Japan.
 

Zuletzt nehme ich jeden Montag an einem Seminar teil, in dem jeder 
Student seine Forschungsergebnisse der letzten Woche vorstellt (leider 
ist das meiste auf japanisch).
 

Zum Thema Umwelt-Archäologie und den Bezug zur Moderne empfehle ich euch 
die Geschichte der Bewohner der Oster-Insel.
 


 


 


 Sendai – Stadt und Leute
  



 


Die Stadt Sendai ist eine Stadt mit ungefähr 1 Mio. Einwohnern, die aber 
im Vergleich zu europäischen Städten viel größer wirkt, da sie ein 
großes Stadtzentrum mit vielen Einwohnern und vor allem vielen 
Geschäften und Shopping-Möglichkeiten hat. Die Straßen sind immer voller 
Menschen, egal um welche Tageszeit, denn die Japaner lieben es noch mehr 
als die Deutschen einzukaufen, zu sehen und gesehen zu werden. Ich habe 
mir ein Fahrrad zugelegt, denn der öffentliche Transport ist leider sehr 
dürftig ausgebaut. Deshalb gibt es jeden Morgen ein Erlebnis, dass ich 
noch nie zuvor in meinem Leben hatte. Auf der 15-minütigen Fahrt vom 
Wohnheim zum Campus treffen sich auf dem Weg immer mehr Fahrradfahrer, 
so dass sich am Ende eine Reihe von mindestens 50 (!) Fahrrädern direkt 
hintereinander durch die engen Straßen schlängeln. Es ist außerdem, 
außerhalb des Zentrums nicht üblich, Fußwege oder Fahrradwege zu haben, 
so dass dazu noch unzählbare Motorroller und Autos versuchen aneinander 
vorbeizugelangen. Dennoch scheint Japan eins der Länder mit den 
wenigsten Verkehrsunfällen zu sein. Auf dem Campus parken dann 
mindestens 2000 Fahrräder auf riesigen Parkarealen, da sollte man sich 
schon gut merken, wo man sein Fahrrad abstellt!
 


Die Supermärkte und Convenience Stores haben in der Regel 24 Stunden 
geöffnet, was natürlich extrem luxuriös ist. Das Essen ist 
vergleichsweise teuer, vor allem Gemüse und Obst sind teilweise 
unbezahlbar (ein Apfel 1 EUR, eine Wassermelone bis zu 30 EUR).
 


Im Vergleich dazu ist mir aber unbegreiflich, dass alle ATMs 
(Geldautomaten) um 18 Uhr schließen, am Wochenende sogar schon um 17 Uhr 
bzw. komplett geschlossen bleiben. Es ist danach nicht mehr möglich an 
Geld zu kommen und falls man das vergessen hat nutzen einem auch 24 
Stunden Supermärkte nicht mehr. Denn so etwas wie EC-Kartenzahlung ist 
weitestgehend unbekannt.
 



 


Das etwas geklaut wird ist mehr als unwahrscheinlich. Denn obwohl alles 
genauestens registriert wird und man beim Fahrradfahren seine 
Registrierung (sowas wie ein Fahrzeugschein) immer bei sich haben muss, 
kann man sein Fahrrad auch mal 20 Minuten unabgeschlossen in die 
Fußgängerzone stellen ohne das etwas passiert. Ich glaube sogar, man 
könnte seinen Rucksack für 15 Minuten auf die Hauptstraße stellen, 
weggehen und dann wiederkommen und er wäre maximal von einem achtsamen 
Passanten an den Straßenrand gestellt worden.
 



 


Eine Besonderheit der Japaner sind die 100 Yen Shops. Man kann sie sich 
wie einen türkischen Kramsladen in Deutschland vorstellen, nur das 
dieser Kramsladen so gut wie ALLES in seinem Angebot hat und wie ein 
Kaufhaus auf 7 oder mehr Stockwerken aufgebaut ist. Natürlich ist alles 
Made in China und die Qualität dementsprechend   Es gibt aber auch 
teurere Dinge, die dann preislich ausgezeichnet sind und qualitativ 
hochwertiger sind.
 



 


Eine kleine Bemerkung zum Wetter um die Neider zu wecken   Seit ich 
hier angekommen bin sind es jeden Tag zwischen 20 und 25 °C. Das liegt 
daran, dass Sendai auf dem Breitengrad von Griechenland liegt und dazu 
maritimes mildes Klima hat. Leider ist das Wetter jetzt aber etwas 
wechselhafter und kälter, denn der Herbst beginnt. Trotzdem ist die 
Sonne, wenn sie denn mal draußen ist fast so stark wie im deutschen 
Sommer und es sind immer noch ca. 20 °C.
 



 



 


 Technik Welt Japan
  



 


Wer dachte, dass Deutschland ein hoch-technisiertes Land ist, der hat 
sich gewaltig getäuscht. Ich habe hier einen Sprung in eine 
Science-Fiction-ähnliche Zukunft gemacht... In Japan sendet man wie 
schon angedeutet keine SMS, sondern Emails ans Handy (MMS), die 
Handnummern werden via Infrarot ausgetauscht, statt sie manuell 
einzugeben. Unsere Waschmaschine berechnet anhand der Füllmenge 
automatisch, wie viel Wasser sie benötigt, wie lange sie wäscht und 
spült und außerdem ist der Trockner direkt mit eingebaut. Also 
Waschmaschine und Trockner in einem. So wird das Waschen echt 
komfortabel! Wäsche und Waschpulver rein, Start drücken, fertig!
 


Der Kühlschrank beginnt zu piepen, wenn man vergisst in zu schließen und 
beim Anschalten des Herdes wird die Dunstabzugshaube automatisch 
aktiviert. Die Autos (die allesamt wie viereckige Plastikautos aus 'nem 
Manga aussehen) haben teilweise automatisch öffnende Schiebetüren, so 
dass einem auch diese „Hürde“ genommen wird. Alles in allem fallen mir 
jeden Tag weitere technologische Neuigkeiten auf, von denen aber alle 
irgendwo einen Sinn haben und dafür da sind, das Leben komfortabler zu 
gestalten. Das fügt sich lückenlos in das Bemühen um den besten Service ein.
 



 



 


Das wars wohl fürs erste von mir, freue mich immer über Nachrichten, 
auch wenn es vielleicht etwas dauert, bis ich antworten kann   



 


Liebe Grüße und bis bald!
 



 


アンドレ　(André)  
 ]]></description><pubDate>Thu, 21 Oct 2010 22:44:03 +0900</pubDate><category>Life in Sendai</category></item></channel>
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